Dresden vor 67 Jahren


Sahnestückchen sollten auch nicht allzu lange außerhalb des Kühlschrankes gelagert werden.

Diese Aussage kommt von Schwager T. auf seine Frage hin, ob ich denn auch mit nach Dresden käme.


Dazu muss man wissen, dass meine Wenigkeit seinen angestammten Platz im Süden der Republik meist nur ungern verlässt und in der „Fremde“ schnell Heimweh bekommt.

Jetzt ist es aber zum Glück so, dass das geliebte weibliche Wesen an meiner Seite aus jener geschichtlich sehr interessanten deutschen Stadt stammt, und ich mir die vielbesagte Schönheit Dresdens und deren Wiederaufbau, insbesondere der Frauenkirche, auf keinen Fall entgehen lassen wollte.

Ein Klassentreffen gab demnach den Ausschlag die sächsische Landeshauptstadt im Oktober letzten Jahres zu besuchen.

Das Sahnestückchen ist nicht zerlaufen oder geschmolzen. Soviel kann ich schon mal vorweg nehmen. Im Gegensatz zu den Tausenden Toten die vom 13. bis zum 16.2.1945 durch den verheerenden Feuersturm ums Leben kamen, dehydrierte ich trotz des heißen Spätsommerwetters nicht einmal.

Dresden ist eine wunderschöne Stadt. Der Zwinger, die Semperoper, die Frauenkirche, der Stallhoff mit dem Fürstenzug, der Goldene Reiter und so weiter und so fort, sind nur einige Sehenswürdigkeiten, die verzaubern und begeistern.

Das all dies wieder bewundert werden kann, haben wir sicherlich nicht den Menschen zu verdanken, die Laken mit „Bomber Harris do it again“ beschmieren und diese als Gegendemonstration der alljährlichen Trauermärsche in der Luft schwenken.

All die Menschen oder den Angehörigen der Toten, die unter diese schrecklichen Tage vor 67 Jahren gelitten haben, gilt mein Mitgefühl.


Ich wünsche mir endlich einen gesunden Umgang mit unsrer Vergangenheit und die Einsicht.